Auftrittserfahrungen
Kartenverkauf am Telefon
Das Telefon klingelte:
"Ich habe gehört sie machen eine Show im Koma" - Ich stutzte, natürlich würde
ich sogar im Koma tanzen und wenn es sein muß auch eine ganze Show machen,
aber war das erst gemeint?
Sicherlich meinte die Dame das "Comma" und nicht im Koma (welch ein himmelweiter Unterschied).
Das "Comma" ist ein Kulturhaus bei uns in Gera und ja,
ich plante meine nächste Dinnershow dort zu veranstalten. Somit bestätigte der Frau ihre
Anfrage.
- kurze Pause -
Dann hörte ich:
"Ich möchte mich dafür bewerben." - Wieder war es an mir zu überlegen, was die Frau meinen könnte.
"Als Publikum, nehme ich an" fragte ich sie.
Das bestätigte mir die Stimme am Telefon.
Nun, ich habe noch nie so fröhlich 2 Karten für meine Dinnershow verkauft.
(Januar 2011)
... aus 1000 & 1 Nacht ...
Es war mein 550. Auftritt.
Nicht nur deshalb wird mir dieser Auftritt in Erinnerung bleiben.
Denn nach dem Auftritt erzählte mir die Frau, welche meine Performance anlässlich des Geburtstag ihrer
Mutter gebucht hatte, was ihr Sohn während meines Auftrittes gesagte.
"Ist das wirklich eine Prinzessin aus 1000 und 1 Nacht?" hatte er sie gefragt.
"Ja." war ihre Antwort. "Dafür sieht die Frau wirklich jung aus!!"
(Januar 2011)
Autogramme
Kinder sind ein so gnadenlos ehrliches Publikum. Ich mag das.
Die Augen der Mädchen glänzen,
wenn sie mich im glitzenden Kostüm hinein schweben sehen.
Auch die Jungen vergessen den Mund wieder zu zu machen.
Manchmal stehen die Kinder direkt am Bühnenrand um
besser sehen zu können und aus meiner Perspektive sehen sie dann wie die kleinen Puttenengelchen
der sixtinischen Madonna aus.
Nach dem Auftritt kommen sie oft und fragen nach einem Autogramm. Ich gebe gern Autogramme.
Ja, letztens wurde ich nicht nur gefragt ob ich ein Autogramm gebe, sondern: "Schreibst du auch in mein Tagebuch?"
Na klar, ich kann auch in Tagebücher schreiben.
Und hier seht ihr eines der kleinen Geschenke, die ich nach einem Auftritt
von einem Mädchen bekam.
Ich war gerührt, deshalb ist es nun an mir "Danke" zu sagen und das mache ich gern.
(Dezember 2010)
Welche Farbe darf´s denn sein?
Es war einer der ganz kleinen Privatauftritte, aber ich fange am Anfang an:
1. Anruf: Anfrage: Können sie zum 70. Geburtstag unseres Vaters tanzen? - ja am Samstagabend geht,
alles so weit abgesprochen, gut und in Ordnung
2. Anruf: ein paar Tage später: ja unser Vater wird am Sonntag 70 ... und er will das auch an
diesem Tag feiern - ich denke schon, nun kommt die Absage - aber es kommt anders; können sie auch
am Sonntag 12.00 Uhr auftreten?
"Na klar kann ich zwischen Rouladen und Klößen auftreten."
- Sonntagmittag 12.00 Uhr, Highnoon, hatte ich zwar noch nie Auftrittszeit, aber irgendwann
ist immer das erste mal, dachte ich so bei mir. -
3. Der Sonntag kommt, ich bin pünktlich vor Ort, werde ganz lieb in die Wohnung der feiernden Familie geführt,
das Geburtstagskind weiß noch nichts von seinem Glück... ich werde weiter in das Schlafzimmer der Familie geleitet,
damit ich mich umziehen kann, während sich alle Gäste im Wohnzimmer einfinden.
Die Tochter des Hauses fragt mich, nach einem kleinen Blick in meinen Auftrittskoffer (ich habe immer mehrere
Kostüme mit, man weiß ja vorher selten wieviel Platz zum tanzen ist, wie die Lichtverhältnisse sind usw.),
welches Kostüm ich anziehen werde.
"Äh, na ich weiß noch nicht, welches hätten sie denn gern?" gab ich die Frage zurück.
Nach kurzem überlegen gab sie mir folgende Antwort.
"Die Gardinen im Wohnzimmer sind rot, da kann man sie nicht so gut sehen,
aber wir haben eine lila Shisha für den Vater besorgt, da paßt das lila Kostüm am besten.
Wir brauchen nur noch einen kleinen Moment, bis die Kohle für die Shisha richtig durchgeglüht ist."
Und schon war klar: ich werde das lila Kostüm passend zur Farbe der Shisha des Geburtstagskindes tragen.
Na wenn das nicht Kundenservice ist, dann weiß ich auch nicht.. (November 2010)
Geschleudere - mir gefällt´s!
Am Anfang stand wie immer die Idee, sie mit Leben zu erfüllen war seit Monaten meine vorrangige selbst gestellte
Trainingsaufgabe. Seit Monaten hatte ich geübt und trainiert. Anfangs sah es so aus, als würde das neue
Tanzzubehör mit mir machen, was es wollte und nicht umgekehrt ich mit ihm, was ich wollte.
Es dauerte also bis ich mich mit dem neuen Tanzutensiel angefreundet und seine Tücken erforscht hatte.
Jedoch der Vorteil von kontinuierlichem Training ist: Es kann sich irgendwann Erfolg einstellen kann.
(Dieser Satz läßt sich so einfach schreiben, dabei kostet er Unmengen an Geduld und Schweiß..)
Immer öffter - nach Wochen - gelang es mir, meine eigene Choroegraie fehlerfrei bis zum Schluß und
ohne Knoten und Schleifen durch zu tanzen. Kurzum, es wurde besser
und endlich zahlte sich meine Geduld und Übungsbereitschaft aus. Was?
Ich hatte mir in den Kopf gesetzt mit 1 oder besser noch mit gleichzeitig 2 Bändern wie sie in
der rhythmischen Sportgymnastik verwendet werden zu tanzen.
Die Musik zu den "Piraten der Karibik" hatte mich dazu inspiriert und nun nach Monaten des Übens und
Fluchens und Übens und Knotenlösen und Übens ... war es so weit, ich wurde mit diesem Titel gebucht!!!
Beim Auftritt gab ich wie immer mein Bestes und der Tanz gelang. Jedes Band lag so in meiner Hand,
wie ich es brauchte, wie ich es immer und immerwieder geübt hatte.
Im Rhythmus der Musik zeichnete ich die schönsten Figuren in die Luft,
wirbelte herum, schwang beide Bänder mit Dynamik und Hingabe und ehe ich es
mich versah, waren die 3 Minuten und 40 Sekunden um.
Mit stolzgeschwellter Brust schritt ich glücklich von der Tanzfläche und atmete hinter
den Kulissen erst einmal richtig tief durch.
In der Pause kam die Tochter einer der an der Veranstaltung mitbeteiligten Tänzerinnen auf mich zu und rief mir in
tiefster pfälzer Mundart zu:
"Des Geschleudere hat mir gefallen." Ich brauchte einen Moment um di Kleine zu verstehen
und dann noch einen weiteren Moment, um zu realsieren, dass dies ein tiefes, ehrliches Lob aus Kindermund war.
Des Geschleudere hat ihr also gefallen. Ich hab´alles richtig gemacht...! (Oktober 2010)
Pina Bausch und meine Wenigkeit
Vorab: In diesem Sommer starb in hohem Alter eine der Tanzikonen des modernen Tanzes in Deutschland: Pina Bausch.
Ganz ehrlich, bis ich diese Information in den Nachrichten hörte, hatte ich diesen Namen noch
nie gehört. Es ist eine Schande, das gebe ich zu, aber der kleine Filmbeitrag zu dieser Schlagzeile in den
Nachridchten hatte mich jedoch beeindruckt. Ich durchwühlte das Internet nach
Informationen über Pina Bausch und versuchte meine Wissenslücke wenigstens etwas zu schließen.
Lassen wir also die Meldung über den Tod von Pina Bausch hier
einfach mal so stehen.
Nach dem unten beschiebenen Auftritt (vier verschiendene Fassetten der Frauen)
kam unter anderem eine Frau aus dem Publikum auf mich zu und fragte mich:
"Da haben sie wohl in Gera so ein Tanztheater - wie die Pina Bausch?"
"Wauh", ich brauchte einem Moment um mich zu sortieren, holte tief Luft und antwortete: "Nein, ich habe
kein Tanztheater, aber dass sie mich mit Pina Bausch vergleichen, das geht runter wie Öl, vielen lieben Dank."
Ich muß einen super tollen Eindruck hinterlassen haben.
War ich froh, meine Hausaufgaben gemacht gehabt zu haben und somit zu wissen,
mit wem ich da verglichen worden war. Wäre doch peinlich ein so tolles Lob zu bekommen und gar nicht
wie hoch es angesetzt ist. Und das man mir ein eigenes Tanztheater zutraute,
mir verschlug es die Sprache und glaubt mir, das passiert nicht oft.
(Oktober 2010)
Vier verschiedene Fassetten der Frauen
"Wenn du ein Kostüm einpacken könntest und für meinen alten
Kumpel zu seinem 50. Geburtstag tanzen könntest, würde ich mich wahnsinnig freuen",
fragte mich eines Tages mein Freund.
Da ich ihm fast nichts abschlagen kann, versprach ich es.
Am Vorabend, ich war gerade dabei das Kostüm ein zu packen, rief er mich an und teilte mir mit, das die
Geburtstagsgesellschaft zusammen gelegt und schon eine Bauchtämzeroin bestellt hatte. Na prima, ich hatte mich
auf den Auftritt gefreut und nun das...
Aber ich habe ja noch mehr als "nur Bauchtanz" in meinem Repertoitre. Ich lies mir etwas einfallen
und packte ein paar mehr Kostüme in meinen großen Koffer.
Der Moment des Auftrittes für das darüber unwissende Geburtsatgskind und seine Gäste war gekommen.
- Was ich mir hatte einfallen lassen? -
1. stellte ich die wilde Seite der Frau als Zigeunerin nach - Zigeunertanz -
(ich nennes es " das rote Zigeunerkostüm", da ich noch mehr Zigeunerkostüme habe),
fegte wild springend, wirbelnd, rockschwenkend durch den Raum.
Anschließend lies ich mir vom Geburtstagskind kura Publikum aus dem Kostüm helfen.
Zum Vorschein kam mein schwarzes Kleid (ich nennes es "Krimhildskleid" und nutze es zu Mittelalterauftritten).
2. stellte ich die mystisch dunkle Seite der Frau mit einem Gothictanz dar.
Gebannt schauten alle auf mich, es war so still, man hätte die berühmte Stecknadel auf den Boden fallen
hören können.
Körperspannung, Gestik und magische Blicke machten deutlich, hier ist eine Hexe und he,
wer dieser in die Quere kommt wird nichts zu lachen haben.
Wieder lies mir wieder vom Geburtsatgskind aus dem Kleid helfen und nun sah man das 3. Kostüm.
3. stellte ich die romantische Seite der Frau vor, in dem ich mit 2 Schleiern zu "La Califfa" durch den Saal schwebte. Musik gespielt von David Garrett, dem im Moment absolut beliebtesten Geiger,
ist aber auch zum träumen.
4. als Zugabe lies ich es mir nicht nehmen noch was modernes zu tanzen (hier behielt ich das letzte Kostüm an), nämlich
"Buttons" von den Pussycatdolls.
Vier verschiedene Fassetten der Frauen zu zeigen, na wenn das kein Geburtstagsgeschenk war, dann weiß ich auch nicht.
(Oktober 2010)
Sie haben bestimmt keine Probleme mit ...
Sommer, Außenauftritt, das bauchfreie Kostüm, alles paßt... Schleieropening - Raks Sharki - Trommelsolo -
Die Woge der Begeisterung trug mich ...Zugabe... Ich hatte wieder alles gegeben und das Tanzen und Performen genossen, kurzum ich war glücklich.
Nun wollte ich mich zurück ziehen, aber so einfach ist das oft nicht.
Denn auch wenn die Menschen sehen, dass die Tänzerin durchgeschwitzt ist, ist es ihnen
wichtig gleich ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Genau in dieser Situatuon kommen 2 ältere
Damen auf mich zu und äußern sich in den höchsten Tönen lobend über meine Performance.
Ich bedanke mich für ihre lieben Worte. "Aber sagen Sie", fragen die beiden Damen
"sie haben bestimmt keine Probleme mit..."
Ich denke nun kommt Rückenschmerzen, Kondition, Koordination, Gedächtnis
- nein die Frage endete ganz anders -
"Sie haben bestimmt keine Probleme mit...mit der Verdauung, wie sie ihren Bauch bewegen können,
das kann ja nur für die Darmtätigkeit gut sein!"
(Juli 2008)
Alles nur Rauch?
Hier einmal eine typische Restaurantsituation:
Der Auftritt soll beginnen und das Publikum ist hinter einer Wand aus Rauch gar nicht zu erkennen.
Dem Nichtraucher verschlägt es den Atem und wer, wie mir letztens eine Tanzkollegin ihr Leid klagte,
einen leichten Infekt im Hals-Rachen-Raum hat, spürt mit jedem Atemzug
das unangenehme Eindringen des Rauches bis tief in die Bronchien; mal abgesehen davon, man selbst und das teuere Kostüm
(Sogar die Schleier stinken nach Rauch auch wenn sie nur wenige Minuten zum Entre durch den Raum geschwenkt wurden) sind schon nach
kürzester Zeit so Rauchgeruch versäucht, dass man sich selbst nicht riechen mag, wenn man nach dem Auftritt nach Hause kommt.
Für mich heißt das immer: einmal komplett in die Wanne, einschließlich Haare waschen,
was das bei meinen langen Haaren für einen Aufwand bedeutet.....
Ich selbst bin schon immer Nichtraucher. Als Krankenschwester werde ich jeden Tag mit den unangenehmen Folgen des Rauchens konfroniert.
Mit Beginn des Jahres 2008 haben nun einige der deutschen Bundesländer ein neues Gestz zum Schutz der Nichtraucher in Gaststätten
in Kraft treten lassen. Ich kann nur sagen: Volle Zustmmung. Damit werden dann Bilder wie dieses der Vergangenheit angehören.
In diesem Sinne immer wünsche ich euch allen immer eine rauchfreie Auftrittszone
eure Intchi (Dezember 2007)
Wo Tanz und Politik sich überlappen
Ja, ich gebe es zu: Ich bin eitel.
Als ich jedoch dieses Foto sah, konnte ich nicht anders als lachen.
Ich weiß, ich sehe hier nicht so aus, wie ich es mir wünsche, aber hier kann man ganz deutlich sehen,
wie schwer Politik im Hintergrund sein kann.
Also, wer dieses Bild sieht, kann hoffentlich genauso schmunzeln wie ich.
Was lernen wir daraus? - Auch beim Tanzen die Haltung bewahren und immer auf den richtigen Hintergrund achten ;-))
(September 2007)
Überraschung versprochen und eingehalten
Heute einmal die Kurzfassung: Auftritt in Plauen im Parktheater, Rahmenprogramm
- Ich bin als Zigeunerin engagiert.
- Die Auftrittsfläche ist die Manege der Showtierfarm im Freigelände des Parktheaters.
- Diese Manege ist mit Sand gefüllt und wer schon mal versucht hat in der Sahara im Wüstensand voran zu kommen, ist hier im Vorteil.
- Da eine Manege bekanntlich rund ist, gibt es keine Raumorientierung wie im üblichen Sinne, alle (mindestens) 4 Seiten müssen also angetanzt werden.
- Kurz um: es ist nicht einfach - jedoch die Fotoapparate blitzten auf.
- In den Pausen komme ich mit einigen Besuchern ins Gespräch.
- Zwei Wochen gingen ins Land, ich war auf Arbeit, - also in einer anderen Welt.
- Eine meiner Kolleginnen kommt zu mir an den Arbeitsplatz und teilt mir mit: "Schwester Intchi wird vorn and er Annahme verlangt.
" Ja, ich bin im Hauptberuf nach wie vor Krankenschwester. Aber das hat mit "Intchi, der Perle" nichts zu tun. -Wieso werde ich dort in meiner Eigenschaft als Tänzerin verlangt?
Die Kollegin lößt mich ab und ich kann den Arbeitspaltz für einen Moment verlassen.
- Da steht im Eingangsbereich unserer Abteilung ein Herr. "Guten Tag, Sie erinnern sich vielleicht an mich. Ich war in Plauen in der Vorstellung des Troubadurs.
Und es ist nicht leicht gewesen sie hier im Krankenhaus zu finden. Ich habe hier ein Foto von ihnen und wie ich es versprochen habe, möchte ich es ihnen
bringen. Und damit übergab er mir das Foto.
- Das war eine gelungene Überraschung und hier kann ich das Foto präsentieren. Vielen Dank Herr Frotscher.
Diese Überraschung werde ich nicht so schnell vergessen.
Peinlich, peinlich...
Diese Geschichte ist mir so peinlich, dass ich sie erst Jahre nach dem sie mir passiert war,
bereit bin sie hier öffentlich preis zu geben.
Wann war das eigentlich, mal kurz nachdenken. Ach ja im November 2002.
Aber es ist nun mal geschehen und wie Konfuzius sagt, nichts ist so schlecht, als dass es nicht wenigstens
noch als schlechtes Beispiel dienen kann.
Also hier nun der Apltraum jeder Tänzerin.
Ich packte am Nachmittag meinen Auftrittskoffer. Irgendetwas muß mich abgelenkt haben.
Jedenfalls das Ding wurde geschlossen und ich fuhr los zum Auftritt.
So weit so gut. Irgendwo im Erzgebirge in einem kleinen Dorf war Ritteressen angesagt.
Nein, es gab natürlich keinen echten Ritter zu essen.
Aber es gab die Garantie, dass man seine abgenagten Knochen weg werfen darf.
Der Veranstalter hatte hier für eine orignelle und zugleich praktische Lösung an zu bieten.
Nun nach dem lustigen Essen war die Bauchtänzerin dran.
Ich begab mich in die Umkleide, packte mein Kostüm aus und stellte fest: der Hüftgürtel fehlt.
Heute werden die Stickerein meißt gleich in den Rock eingearbeitet.
Aber bei meinem selbstgemachten blau weißen Kostüm war das nicht so. Gut, was tun?
Der weite weiße Rock war da, also anziehen, der blau weiße BH war da,
anziehen, die beiden Armstulpen waren anwesend - ebenfalls anziehen. Ja um die Hüfte sah es nun etwas langweilig aus.
Deshalb beschoß ich einfach meinen Schleier zu nehmen und ihn gekonnt um meine Hüfte zu schlingen
und an einer Seite mit einem riesigen Knoten zu plaztieren. Sah gar nicht so schlecht aus...
Ich begab mich zum Auftritt hoch in den großen Saal. Komisch, ich spürte ein leichtes rucken oder knacken
an der linken Schulter.
Kurzer Check, alles ist i.O. Also kann es los gehen.
Das Intro ist 35 Sekunden lang und ich schwebe in den Saal hinein. Nach der 3. Drehung wurde mir klar, was gerade geschehen war.
Der BH ist offen.
Um größeren Schaden zu verhindern, knüpfte ich den Schleier (nur gut, dass ich diesen mit hatte)
von meiner Hüfte herunter und hielt ihn gespannt vor meine Brust,
um den dort noch locker aufliegenden BH zu fixieren und begab mich gekonnten Schritten zu meinem Bruder.
(Ach tut es gut, wenn Personen des Vertauens anwesend sind.)
Durch die Zähne zischte ich ihm zu, er solle den BH wieder schließen.
Mittlerweile hatte natürlich der ganze Saal mitbekommen, dass etwas nicht stimmte.
Mein Bruder kam immer mehr ins schwiten. "BH zumachen kann ich nicht, ich bin immer nur für aufmachen zuständig",
rief er den lustigen Kommentatoren zu. Der Saal johlte vor Freude.
Meine Schwester hatte nun den gesamten Umfang dss Schadens erkannt und rief mir zu.
"Hier ist nichts zu machen, der Verschluß ist zerbrochen."
Ja, nun war guter Rat teuer und vor allem mußte er schnell kommen.
Ich beschloß im Bruchteil einer Sekunde: Das Kostüm ist jetzt nicht zu retten,
ab in die Gardarobe und in das Ersatzkostüm.
Noch ehe der DJ mitbekam, was er tun sollte, war ich aus dem Saal hinaus, die Treppen hinuter,
hatte die Tür aufgestoßen, noch im Rennen mir die Armsrtulpen herunter gerissen,
der BH war ja kein Problem mehr und um den Rock zu öffnen bedurfte es nur noch eines Knopfes,
war ich also raus aus dem blauweißen Kostüm, hinein in mein Ersastzkotüm gesprungen.
Ich stürmte die Treppen wieder hinauf, sprang auf die Tanzfläche und hörte,
dass der DJ meine Musik hatte einfach weiter laufen lassen. Auch nicht schlecht.
Bei einer 8,5 Minuten Tanzroutine kann man schon mal 2,5 Minuten mit Umziehen gestalten.
Jedenfalls war die Musik gerade beim Bodenteil angelangt und ich tanzte ab, da als sei nichts gewesen.
Nur gut dass mein Tanzstück so lang war.
Der stürmische Applaus des Publikums am Ende dieses Tanzes, zeigte mir, dass sich mein Einsatz gelohnt hatte.
Trotzdem mit hochrotem Kopf bedankte ich mich für den Applaus und versprach später am
Abend noch einmal für das erlauchte Publikum zu tanzen, was ich dann auch ohne irgendwelche Pannen
in hoher Qualität tat.
Eine später durchgeführte gründliche Untersuchung des Unglücks ergab folgendes:
Das Kostüm war eines meiner ersten. Weil ich nichts gefunden hatte, was mir gefiel und meinem
Geldbeutel noch dazu, hatte ich mich entschlossen mir selbst ein Kostüm zu nähen.
Leider wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass man niemals einen Plastikverschluß
für so eine heikle und beanspruchte Stelle nimmt.
--> Immer die stabilere Metallausfürung nehmen, kostet zwar mehr, aber das rentiert sich wie wir gerade gehen haben.
--> Immer doppelt Absichern. Eine sich überlappende und eine z.B.nach links unten und rechts oben zu schließende Kostruktion
des Rückenteiles des BH-s hätte hier den Schaden verhindern können.
--> Immer ein Ersatzkotüm mithaben, man weiß ja nie was bis in die letzte Minute noch alles passieren kann.
--> Beim Kofferpacken am besten eine Checkliste haben und sich niemals während des einpackens ablenken lassen.
Ich habe dieses Kostüm trotzdem gern und oft getragen, auch wenn es in den letzten Jahren weniger zum Eisnatz kam.
Vielleicht sollte ich es wieder mehr einsetzen.
Essen und Tanzen geht das zusammen?
Um es gleich zu sagen: Essen und Tanzen, das geht nicht zusammen.
Die Tänzerin kann während des
Tanzens nicht essen,
maximal einen Kaugummi kauen, und das auch nur, wenn sie eine besonders freche Dame aus Alexandria in und mit
einer Melaya darstellen will.
Orientalischer Tanz und Erotik haben ja etwas gemeinsam und man sagt ja auch das Essen der Sex des Alter sei.
Aber wie geht das nun zusammen? Hier die Schilderung eines Versuches:
Es ist Donnerstag, 11.00 Uhr (Vormittag) und stehe wie mit der Veranstalterin abgemacht in vollem Kostüm gestylt und
aufgewärmt vor dem Saal um mit meinem Auftritt zu beginnen.
Da fährt doch eine Köchin mit einem riesigen Servierwagen direkt an mir vorbei. Auf dem Wagen stehen
mehrere Töpfe, in denen dampfend heiße, köstliche duftende Wienerwürstchen schwimmen
und darauf warten serviert zu werden.
Aber ich sollte doch auftreten?! Mein Ego ist am Boden zerstört,
denn sofort ist mir klar, jetzt zu tanzen hat gar keinen Sinn. Den Wettbewerb gegen diese leckeren
(übrigens auch gegen alle anderen) Würstchen brauche ich gar nicht erst zu beginnen.
Was mich so sicher machte ?
Hatte ich schon erwähnt, dass ich zu diesem Auftritt im Feierabendheim zur Männertagfeier engagiert worden war? Alles klar ;-)
Aber nach den Würstchen, als der Appettit und der Hunger gestillt waren, da konnte ich los legen.
Das Publikum hatte die Hände zum klatschen wieder frei,
der Blick der älteren Herrschaften konnte ungehindert vom Teller in die unmittelbare Umgebng schweifen und
die Erinnerungen an vergangene Zeiten in denen ..., ihr wisst schon, an vergangene Männertage waren geweckt.
Um es kurz zu sagen, jetzt konnte ich mir der Aufmerksamkeit des Publikums wieder sicher sein.
Unter diesen Umständen nun war es mir ein Leichteres einen schwungvollen, mitreißenden und
unvergeßichen Auftritt für die Männerrunde des örtlichen Feierabendheimes zu performen.
Dass ich mit meiner Entscheidung richtig lag, zeigte die Abschlußfrage der Veranstalterin während des Schlußapplauses.
"Wer möchte denn ein Foto gemeinsam mit der Tänzerin haben?" Alle Hände flogen nach oben und so ging ich noch zu jedem
an den Tisch oder Rollstuhl und posierte für das jeweilige Foto (für ca. 40 Männer wurde da je ein Foto geschossen).
Was lernte ich aus dieser Veranstaltung?: Auftritte im Altersheim haben ihre eigenen Gesetze und Dynamik,
sollten möglichst keinen Stocktanz im Repertoire haben und das Timing mit der Küche
ist wichtiger als die Absprachen mit dem Veranstalter und dem DJ.
In diesem Sinne allen noch viele schöne Männertage
Tanzen und Verkehrsfunk (März 2006)
gibt da Zusammenhänge? Hat sich das schon mal jemand gefragt?
Nun, die Frage konnte bei einem meiner Auftritte im vergangenem März beantwortet werden.
Und zwar so:
Wie es sich gehört, ließ ich gleich nach meinem Eintreffen vom DJ meine CD
überprüfen, ob sie denn in der hauseigenen Anlage funktioniert.
Nach eine paar wenigen Anlaufschwierigkeiten, war die richtige Einstellung gefunden.
Musik gesichert; jetzt umziehen, den letzen Lidstrich überprüfen, nocheinmal das Geburtstagskind in
die richtige Position setzen lassen und... nun kann es los gehen.
Denkste,... in dem Moment geht natürlih nichts mit der Musik.
Panik beim DJ, Neugier beim Publikum und die Frage bei mir, wann geht es endlich los?
Beinahe wäre einer der Gäste los gelaufen und hätte aus dem Nachbarhaus
seinen eigenen CD-Player geholt.
Es geschehen auch in der heutigen Zeit noch Zeichen und Wunder: Der Gong ertönt und ich kann
in den Partysaal hineinschweben, nehme meine Anfangstanzpose ein und warte und warte und warte.
Wieder war die Musik irgendwo im elektronischen Nirwana verschwunden.
Applaus für den nun hoch roten DJ und mit viel zureden und gutem Willen gelingt es ihm die Cd erneut zu starten.
Jetzt kommt meine Auftrittsmusik.
So, die Anfangsschwierigkeiten waren überwunden und nun konnte die Party so richtig abgehen. Das tat sie dann auch.
Die Gäste waren begeistert, klatschten schon nach wenigen Sekunden im Rhythmus mit, das 70-jährige Geburtstagskind
stampfte mit seinem Stock den Takt in den
Tanzboden und alle waren happy eine ganze Weile lang, bis.....
bis sich der Verkehrsfunk gegen die CD in der Anlage durchgesetzt hatte und uns mitteilte, dass es im Moment weder
Staus und Blitzer auf den Straßen gab. Toll, das konte ich mit meinen Zimbeln nur untermalen und weiter ging die Fahrt,
äh die Party....
Ich bin bei Auftritten zwar schon oft geblitz worden, aber mit dem Straßenverkehr hatte das bisher weniger zu tun.
"Da können Lahme wieder gehen und Blinde wieder sehen...."
Um es gleich vorweg zunehmen: ich habe diesen Spruch nicht erfunden.
Das war ein spontaner, netter Kommentar, den mir am Telefon als Dankeschön nach meinem Auftritt zur Goldenen Hochzeitsfeier seiner Eltern
ein junger Mann mit auf den Weg gab.
Am Anfang dieses Auftrittes saß die kleine Gesellschaft älterer Herrschaften, nun sagen wir, recht steif im Halbkreis
und erwartete das was auf sie zukommen würde.
Am Ende meines Auftrittes standen die Herrschaften vor ihren Stühlen und tanzten alle mit, sogar der ältere Herr,
welcher ohne seine Stöcke gar nicht mehr laufen konnte, wackelte im sitzen kräftig mit seinen Schultern.
"Da können Lahme wieder gehen und Blinde wieder sehen,..... meine Eltern und ihre Gäste waren begeistert."
Danke Herr Fischer für den netten Kommentar
Shimmies leicht gemacht
Der erster große Fernsehauftritt stand an!! Nein, kein großer Sender, aber immerhin Fernsehen...,
Also es war der offene Kanal meiner Stadt, welcher mich gebeten hatte während einer Live-Diskussionsrunde, so zu sagen zur
Auflockerung der ernsten Runde zu tanzen.
Das neue Kostüm war als fernsehtauglich befunden worden und schon konnte es los gehen. Auch wenn nicht so viele Menschen wie bei einer,
sagen wir Geburtstagsfeier, im Studio waren, so war ich doch recht aufgeregt. Allerdings kaum waren die ersten
Trommeslschläge erklungen,
spürte ich davon nichts mehr. Ich gab wie immer mein Bestes für das anwesende Publikum und natürlich auch für
die Kameras.
In der darauf folgenden Woche wurde die Sendung 3 oder 4 mal täglich innerhalb der Programmschleife gesendet.
Da hatte auch ich die
Möglichkeit mir mein Trommelsolo an zu sehen.
Eine meiner Arbeitskolleginnen kam nach dem Wochenende auf mich zu und
begrüßte mich mit den Worten:
"Schön hast du getanzt. Manchmal sah es aus als ob sie dich auf ein Rüttelbrett gestellt hätten."
Da hatte ich mir die Seele aus dem Laib getanzt und mich bemüht die feinen Bewegungen so toll wie nur möglich zu machen.
Aber was nutzt es, wenn der Kameramann immer nur die halbe Frau zeigt.
Für den nächsen Auftritt werde ich mich nicht so mit den Shimmies quälen, ich werde das einfach das Rüttelbrett
für mich erledigen lassen. Das kommt bestimmt auch gut im Unterricht an. So werrrrrrden Shimmies leicht gemacht....
Spontaner Zuschauerkommentar
2003/4 Silvesterabend war ein toller Auftritt. Mir war es mit meinem Tanz, meinen Drehungen und Shimmies usw. gelungen das Publikum
von den wohlgefüllten Tellern ab zu lenken. Dass es wirklich so war, konnte dem bewundernden Zuspruch einens älteren
Herren entnehmen. Dieser kam nach der Vorstellung auf mich zu, drückte mir die Hand und sagte: "Was man mit so einem kleinen
Bauch alles machen kann!!!"
Was wohl, na ..... "Bauchtanzen"!
Stocktanz
Mit einem Gegenstand in der Hand zu tanzen ist ein Kapitel für sich und jeder der schon mal versucht hat, wird diese Erfahrungen bestätigen können. Es passieren die unmöglichsten und unwahrscheinlichsten Dinge. Die Choreografie übte und übte ich immer wieder. Die Bewegung mit dem Stock zu koordinieren lief immer besser. Wie lange habe ich mich gemüht mit Stock zu tanzen? Ich weiß es nicht und es geht nicht jeden Tag glatt, wie man sich das wünscht. Aber irgend wann kam der Moment, in dem ich beschlossen hatte: Jetzt versuche ich mal einen Auftritt mit einem Stocktanz. Ich war so darauf konzentriert, alles perfekt zu tanzen, dass mir erst während des 2. Drittels der Choreografie bewußt wurde, daß ich gerade im Seniorenheim vor älteren Herrschaften tanzte, und diese den Umgang mit einem Stock häufiger pflegen als ich. Darf man also einen Stocktanz im Altersheim zeigen?
Sprache und Tanz
Neulich nach einem Auftritt sprach mich ein Mädchen an.
Ich schätzte das Kind ungefähr auf 11 Jahre.
Die Kleine schaute mich mit ihren großen dunklen Augen an.
Etwas schüchtern fragte sie mich, ob ich Deutsche sei.
Dies beantwortete ich mit einem "Ja".
Als sie die Frage stellte, konnte ich ihren ausländischen Akzent hören. Hatte sie erwartet, dass ich eine
Landsmännin bin?
Einen kleinen Augenblick lang überlegte das Mädchen,
holte dann tief Luft und fragte wieder:
"Du tanzt auch in anderen Sprachen?"
Was sollte ich darauf antworten?
Mit ihrem durchdringenden Blick ließ sie mich nicht los und
wartete gespannt auf meine Antwort.
Was sollte ich auf die Schnelle sagen?
Tanz ist eine eigene Sprache
oder mit Tanz kann ich ohne zu sprechen zu den Menschen reden,
meine Gefühle ausdrücken, den Menschen eine Freude
bereiten oder sie traurig stimmen.
Sicher, ich tanzte an diesem Nachmittag unter anderem nach Titeln
mit spanischem und mit arabischem Gesang.
Aber irgendwie hatte das Kind auch Recht. In dieser einen Frage
war die ganze Antwort schon enthalten.
Was gab es da noch zu erklären?
"Ja, ich tanze auch in anderen Sprachen", bestätigte ich ihr.
Glücklich, weil sie sich getraut hatte mich zu fragen und weil
ich ihre Frage zur Zufriedenheit beantwortet hatte, strahlte sie mich
an und lief zurück zu ihrer Mutti.
Aquaplaning und Kniefall
Es war ein herrlicher Sommertag, ..jetzt wieder. Auf der Elgersburg
bei Ilmenau sollte das Mittelalterspektakel beginnen. Aber wie das
so im Sommer ist: es regnete plötzlich und unverhofft und das
in Strömen.
Die Fläche, auf der ich auftreten sollte,
war glatt wie Seife, weil auf dem befestigeten Platz in den Poren
des Asphaltes sich der gesamte Pollenstaub aus der Umgebung
versammelt haben mußte und wohl auch beschlossen hatte
dort liegen zu bleiben.
Für die Außenauftritte hatte
ich mir extra ein paar leichte Schuhchen besorgt. Es half nur
nichts, der Platz war nicht trocken zu kriegen. Schon bei den
ersten Schritten merkte ich, wie rutschig es war.
Mit meinen blanken Fußsohlen hatte ich da mehr Grip.
Deshalb zog ich kurz entschlossen gleich am Anfang meines
Auftrittes die Schuhchen wieder aus.
Für eine Nixe ist es bestimmt ein tolles Gefühl auf
Füßen in den noch warmen Regepfützen zu tanzen.
Noch während des Applauses am Ende meines Auftrittes kam
ein Mann direkt auf mich zu.
Er hielt eine weiße Serviette auf
seiner rechten ausgestreckten Hand.
Wollte er mir die Regenspritzer aus dem Rock reiben
oder hatte ich vielleicht einen großen Fleck auf meinem
Kostüm? Ich schaute vorsichtig und etwas verunsichert an
mir herunter, konnte aber nichts fest stellen.
Und noch ehe ich es mich versah, warf sich
der Bürger vor mir auf die Knie und bedeutete mir,
ich solle bitte die Füße etwas anheben.
Verwundert tat ich das.
Jetzt wurde mir klar, was der Kavalier mit der Serviette
in seiner Hand vorhatte.
Vor mir kniend, wischte er mir die Fußsohlen ab!
Welch Wohltat!!!
Somit konnte ich trockenen und sauberen Fußes in meine vorhin
ausgezogenen Schuhchen schlüpfen.
Das Lachen, der Applaus des Publikums und meine Dankbarkeit waren ihm sicher. Manchmal gibt es eben
doch noch Kavaliere der alten Schule; gut zu wissen.
So unterschiedlich das Publikum, so unterschiedlich die Reaktionen
Im Sommer 2002 wurde die Bitte an mich herangetragen, für Behinderte in einem Ferienheim aufzutreten.
Kein Frage, ich würde kommen und versuchen, ein wenig Freude zu verbreiten.
Gleich als ich im Ferienheim ankam, nahm mich die Ansagerin beiseite und erklärte mir, dass die
Behinderten gar nicht so lange aufnahmefähig seien, manche nicht länger als zehn
Minuten stillsitzen konnten. Schnell stellte ich mein Programm um, kürzte es also.
Die Ansagerin sprach langsam und deutlich, so war ich noch nie angesagt worden. Sie zwang mit ihrer
ruhigen und herzlichen Sprache, das Publikum ihr zuzuhören.
Die Musik fing an und ich trat herein. Normalerweise geht ein Raunen durch das Publikum, ein Staunen
und die Augen der meisten sind auf mich gerichtet.
Nicht an diesem Nachmittag. Ich beginne meine ersten Tanzschritte und sofort schauen vier Leute weg.
Sie drehen einfach ihren Kopf beiseite und ich kann machen, was ich will, sie sehen nicht zu mir
her. Das war eigenartig. Ich reagierte darauf, indem ich die Bewegungen halb so schnell ausführte
und alle Kraft in sie hinein legte; so als würde ich sie das erste Mal im Unterricht zeigen.
Einer der Behinderten wollte klatschen und somit seiner Freude Ausdruck verleihen, sein Nachbar
allerdings wollte ihm das verbieten, denn er konnte sich nur auf den Tanz konzentrieren, wenn neben ihm
nicht geklatscht wurde. Einer der Betreuer schlichtete schnell.
Beide Behinderten lächelten.
Obwohl der Auftritt wirklich nur acht Minuten kurz war, hatte ich alles gegeben und versucht, mir
das Publikum zu erobern.
Einer der Betreuer kam später in meine Garderobe, in der ich mit Freunden saß und brachte
eine Flasche Sekt aus dem privaten Kühlschrank nebst Gläsern mit und so tranken wir darauf,
dass es gelungen war, eine Überraschung an diesem Nachmittag zu bereiten und dass es gefallen hatte.
Die Betreuer hatten schnell ein wenig Geld gesammelt und er überreichte es mir.
Ich war zu Tränen gerührt.
Ein kleines Stück meiner Seele war an diesem Nachmittag zu den Behinderten gewandert und hatte
versucht ihnen etwas Gutes zu geben. Am nächsten Tag erst merkte ich, wie ausgelaugt ich gewesen
war. Es war anstrengender geworden, als es auf den ersten Blick zu erwarten gewesen war.
Einige Tage später bekam ich einen Anruf von der Ansagerin. Sie teilte mir mit, dass von den
Behinderten einige, von denen wir nicht gedacht hatten, dass die meine Vorführung aufgenommen hatten,
gefragt hatten, wo die schöne Frau mit der Musik sei.
Das war das beste Kompliment.
Tanz auf dem Fußabtreter
Wie wichtig die Beschaffenheit des Untergrundes ist, zeigt folgende Episode.
Ich war als Gaststar zu einer Geschäftseröffnung gebeten worden.
Natürlich hatte ich im Vorfeld abgesprochen, dass ich barfuss tanzen würde und ich einen
entsprechenden Platz im Biergarten zum Tanzen brauchen würde. "Alles kein Problem!"
wurde mir versichert.
Wenn auf dem blanken Parkett Straßendreck liegt und dann unter der Fußsohle piekt, ist das
schon unangenehm aber auf einer Schotterfläche, mit frisch aufgeschütteten Steinen zu tanzen,
das ist die Hölle.
Ja, es war ein Stück Boden, Betonplatte frei gefegt worden, nur leider war der Auftrittsort viel
zu weit vom Publikum weg, keiner hätte mich so richtig gesehen, es war inzwischen dunkel,
die Musik hätte ich nicht gehört, weil auch zu weit weg.
Was also tun?
Ich biss die Zähne zusammen, lächelte und auf spitzen Zehen tanzte ich vor dem
erlauchten Publikum.
Eine der Sekretärinnen war clever und legte mir einen Schuhabtreter hin. Damit war ich fast gerettet.
Choreografie mit großen Schritten war gestrichen.
50 cm im Quadrat können absolut ausreichend sein wenn man Raks Sharki tanzt.
Langzeitreaktion
Vor wenigen Wochen klingelte mein Telefon. "Guten Abend", meldete sich am anderen Ende
der Leitung eine Männerstimme. "Mein Name wird ihnen nichts sagen" (Stimmte ich konnte
nichts damit anfangen, war aber bereit weiter zu zu hören), "sind sie die Frau, die im
vorigen Jahr auf der Leuchtenburg orientalisch getanzt hat?"
Ja, ich war diese Frau und das konnte nur der Herr sein, der damals seine Videokamera gezückt
und mir versprochen hatte, die Aufnahme zuzuschicken.Ob ich nach über einem Jahr noch daran
interessiert war? Natürlich bin ich daran interessiert.
Wirklich zwei Tage später lag in meinem Briefkasten eine CD-ROM mit der Aufnahme und einigen
Bildern von diesem Auftritt.
Wer sehen will, wie die Stimmung damals war, kann ja mal hinein schauen.
Ich habe mich gefreut, die Aufnahme doch noch bekommen zu haben. Denn ehrlich gesagt hatte ich schon
vier Wochen später nicht mehr geglaubt, sie jemals zu erhalten.
Um so größer war meine Freude, als ich einen Blick in die CD-ROM werfen konnte.
An dieser Stelle noch einmal Danke an den Videofilmer.
Sommerfest in der Laubenkolonie
In der Laubenkolonie ist es noch sehr ursprünglich und nichts groß mit Hightech.
Mein Auftritt war zu späterer Stunde geplant und der Strom war ausgefallen. Um diese Zeit war
niemand so schnell aufzutreiben, den Strom wieder zu finden und bis zu meinem Auftrittsort zu verlegen.
Was tun?
Die einfachste Lösung ist das eine der Besten. Einer der Gartenbesitzer rollte sein Auto heran.
In seinem Wagen gab es einen CD-Player und so konnte ich im Licht der Autoscheinwerfer und der Musik
aus dem Wagen tanzen.
Mein zweiter Auftritt
Ein Vierteljahr nach meinem ersten Auftritt erhielt ich wieder eine Anfrage, ob ich auftreten würde:
Ja, ich wollte. Es sollte sich um einen 70.Geburtstag ihres Vaters handeln und wäre eine Überraschung, von der
das Geburtstagskind nichts wissen sollte. Deshalb sprach ich alles Weitere mit der Tochter ab. Irgendwie musste die Tochter
dann aber doch ihre Mutter eingeweiht haben. 2 Tage vor dem Termin erhielt ich einen Anruf von der Frau des Geburtstagskindes:
"Bitte machen sie nicht so doll, er wird ja schließlich 70."
Ich versprach es und gab mir alle Mühe, mein Bestes zu geben, nicht zu doll zu tanzen und doch der Gesellschaft zu gefallen.
Dem Geburtstagskind habe ich nur zweimal direkt zugeblinzelt und ihm am Schluss der Vorführung einen Handkuss zugeworfen.
Dem Jubilar gefiel mein Auftritt, auf seinen Wangen stieg eine kleine Röte empor, er rutschte
vergnügt auf seinem Stuhl hin und her und lächelte verträumt als er meinen Handkuss
einfing.
Mein allererster Auftritt
Mein aller erster Auftritt sollte bei einer Freundin in einem Partykeller als Überraschung zu einer
Weihnachtsfeier sein. Oh, wie war ich aufgeregt.
Mein bestelltes Kostüm war noch nicht geliefert.
Jeden Tag wartete ich auf den Postboten mit dem Paket, meiner Bestellung. Aber vergebens. Was also tun?
Ein Kostüm musste her und koste es so wenig wie möglich. Ich nahm einen mir an und für sich zu
großen Rock, zog ihn an, zog ihn auf meine Hüften herunter, legte einen Münzgürtel darauf und nähte
diesen am Rock fest. Teil 1 war geschafft. Aber Teil 2, das Oberteil, gestaltete sich wesentlich schwieriger. Vom Training ein
Paillettentuch mit langen Fransen musste herhalten und wurde auf einen BH aufgenäht. Auf die Träger drapierte ich jeweils
einen Strang Münzen, die ich dem Gürtel entnommen hatte.
Fertig. Ich war froh, die ganze Aktion hat Dank der Hilfe meiner Schwester nur eine Dreiviertelstunde gedauert. Und sogar heute
ziehe ich dieses "Notfallkostüm" gern an.
Die Auswahl der Musik für meinen Auftritt war nicht schwer, denn bisher hatte ich nur zu einem Musikstück eine Choreografie
gelernt. Ich packte also die CD "World of the Bellydance" ein und war fertig.
Bei meiner Freundin angekommen, konnte ich mich im Wohnzimmer umziehen und warmmachen. Im Wohnzimmer lag ein Baby und schlief. Das Kind sollte von mir nicht geweckt werden, deshalb zog ich mich im Halbdunkel um und wollte die CD in den CD-Player einlegen, um noch einmal leise den Titel durchzugehen. Schreck!!! Es gelang mir nicht diese CD, genau die mit meiner einzigen Choreografiemusik zu finden. Aber die Kenner unter uns wissen: "World of the Bellydance" ist ein Doppelalbum. Deshalb, was sollte ich sonst tun, absagen wegen fehlender Musik kam nicht in Frage, nahm ich die 2. CD und suchte nach einer passenden Musik, etwas, was wenigstens dem Rhythmus entsprach, nach dem wir im Unterricht ab und an geübt hatten. Heute weiß ich nicht mehr, für welchen Titel ich mich in der Panik entschied. Aber das, was ich den Bekannten meiner Freundin als Augenschmaus darbot, gefiel. Der verträumte DJ versäumte es die CD nach abgeschlossenem Titel anzuhalten. Weil die Musik während des für mich ohrenbetäubenden Beifalls wieder einsetzte, musste ich auf Drängen des Publikums noch eine Zugabe tanzen. Heute weiß ich, das dies üblich
ist, damals konnte ich wie gesagt nur zu einem einzigem Lied tanzen. Das hat aber niemanden gestört und so tanzte ich und tanzte und versuchte so ziemlich alle Bewegungen und Kombinationen aus dem Unterricht gekonnt zu zeigen. Der Titel mit über 6 Minuten Länge forderte alles von mir. Einfach glücklich und am Ende meiner Kräfte, völlig durchgeschwitzt verbeugte ich mich und schwebte hinaus. Geschafft!!!!
So weit so gut, wenn ich nicht wenige Minuten später beim Umziehen im Wohnzimmer bemerkt hätte, dass der CD-Player
mit 2 CD-Decks arbeitete und die CD 1 mit meiner Musik doch da war, eben immer noch im Deck eins. Aber nun war alles vorbei und gegessen,
äh getanzt. Lehre daraus: immer eine Kopie der Auftrittsmusik mitbringen.
An diesem Abend fiel ich überglücklich in mein Bett und war einfach nur stolz auf mich.